Das Ding kann man auch rausnehmen, dann hat man seine Ruhe.
Dieser Satz wurde mir von meiner damaligen Frauenärztin während einer Untersuchung gesagt.
Ich erinnere mich noch gute daran, wie ich die Ärztin ansah. Gar nicht mal, weil ich medizinische Eingriffe grundsätzlich ablehne oder in Frage stelle, denn es gibt Situationen in denen Operationen notwendig, sinnvoll sein können.
Mich traft etwas anderes.
Es war diese Selbstverständlichkeit.
Die Selbstverständlichkeit, mit der über einen Teil unseres weiblichen Körper gesprochen wurde und immer noch wird. Über unsere Gebärmutter. Über diesen Raum, der Leben hervorbringen kann, über ein Zentrum in unserem Körper, der uns seit Jahrtausenden als Frau begleitet.
Und später wurde mir klar, dass dieser eine Satz weit mehr war als eine beiläufige Bemerkung. Er war ein Ausdruck einer Geschichte, die sehr viel älter ist als diese Ärztin oder ich.
Blicke ich in die alten Überlieferungen, begegnen mir Vorstellungen, die aus heutiger Sicht befremdlich erscheinen. So bezeichnete Hippokrates unsere Gebärmutter als Ursprung weiblicher Hysterie. Plato war davon überzeugt, dass die Gebärmutter durch den Körper wandert und unterschiedliche Beschwerden verursacht. Generationen von Gelehrten suchten die Ursache weiblicher Befindlichkeiten in diesem einen Organ. Und sie schufen damit Bilder, die sich tief in das kollektive Bewusstsein eingegraben haben.
Was damals als Wissen galt, wirkt bis heute.
Nicht nur unbedingt in seiner ursprünglichen Form. Doch in dieser Grundidee, dass mit Frauen etwas nicht stimmen könnte. Dass unser Körper problematisch ist, hat erstaunlich lange überlebt.
Diese alten Geschichten haben längst aufgehört, nur die Geschichten der Männer zu sein. Über die Generationen hinweg wurden sie von Frauen und Männern gleichermaßen weitergetragen. Sie leben in Familien, in Institutionen, in Ausbildungen und manchmal sogar in den Gedanken, die Frauen über sich selbst denken. Genau deshalb reicht es bei weitem nicht aus, nur auf die Vergangenheit zu schauen oder Hinzuweisen. Die eigentliche Frage müsste lauten – Welche dieser Geschichten wirken heute noch in uns und durch uns hindurch?
Denn wir kennen alle die Geschichte. Heilkundige Frauen wurden verfolgt, ihr Wissen entwertet und ihre Erfahrungen verdrängt und inzwischen nur noch über ein Studium zugänglich gemacht.
Sigmund Freud setzte seinen Teil zu dieser Geschichte hinzu und wieder wurde Weiblichkeit erklärt. Wieder wurde sie analysiert, eingeordnet und bewertet.
So entstand über Jahrhunderte hinweg ein Blick auf Frauen, der bis heute nachwirkt.
Manchmal ganz offensichtlich, so manches Mal verborgen. Und manchmal eben in einem einzigen Satz während einer gynäkologischen Untersuchung.
GeZeitenFrau
