Während ich hier an meinem Feuer sitze, denke ich über die Zeiten im Leben nach, die, die sich nicht einordnen lassen. Zeiten, in denen das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch keinen festen Boden unter den Füßen hat. Es sind jene, an denen wir an Schwellen stehen.
Gerade in diesen Zeiten empfinden viele von uns eine Schwere. Wir haben im Laufe des Lebens gelernt, auf alle eine Antwort zu suchen. Klarheit, Sicherheit und den nächsten Schritt. Einfach irgendwas, das uns das Gefühl gibt, wieder schnell festen Boden unter den Füßen zu bekommen.
Doch das Dazwischen, von dem ich schreibe, folgt selten unseren Vorstellungen und lässt sich nicht beschleunigen, planen oder lösen.
Es ist ein Rhythmus, den wir in der Natur immer wieder finden, wie die Dämmerung, die nicht versucht, schneller zur Nacht zu werden. So wie der Winter nicht den Frühling drängt, selbst wenn wir es uns wünschen. Stelle Dir vor, die Ebbe würde sich entschuldigen, weil das Meer zurückweicht und wieder kommt.
Alles hat seine Zeit.
Alles folgt seiner eigenen Bewegung.
Darin liegt eine Weisheit, die wir vergessen haben, denn das Dazwischen ist kein Fehler auf dem Weg, kein Umweg, kein Zustand, den es gilt schnellstmöglich hinter sich zu bringen.
Es ist einfach ein Teil der Wandlung selbst.
Und hier lösen sich alte Gewissheiten, verlieren manche Geschichten ihre Macht. Stirbt manches Leise, lange bevor wir das Neue darin erkennen können.
Genau deshalb fühlt sich diese Zeit oft so ungewohnt an, denn wir können
nicht auf das zurückgreifen, was uns einst Orientierung schenkte.
Und so stehen wir zwischen den Ufern, zwischen den GeZeiten, zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen.
Es ist eine Herausforderung, selbst wenn ich dieses Wort nicht mag, aber es ist eine Aufgabe, zu bleiben. Zu lauschen.
Dem Nichtwissen einen Platz am Feuer zu schenken und den alten Geschichten vielleicht sogar erneut zuzuhören, die sich noch einmal zeigen. Darauf zu vertrauen, dass auch jene Wege, die wir noch nicht kennen, bereits unter unseren Füßen entstehen.
So wie die Wurzeln der Bäume, das Leben im Winter, die Erinnerung, die lange unter der Asche ruht und manchmal nicht ganz erlischt.
Die Weisheit des Dazwischen ist genau das, nicht alles will sofort verstanden, manches will einfach durchlebt werden.
GeZeitenFrau
