Sie kommt nicht, um Dich zu trösten

 

Kennst Du diese Zeiten in deinem Leben, in denen Dich nichts mehr so trägt wie zuvor?

Weder die Rolle, die Du so lange ausgefüllt hast, nicht die Antworten, die Du einmal kanntest?

Nicht einmal das Bild, was Du von Dir selbst hattest?

Willkommen auf der Schwelle – zu den Wechseljahren.

Bei manchen von uns beginnt sie viel früher, bei manchen erst später. Und diese Schwelle fragt weder nach unserem biologischen Alter und schon gar nicht nach unserer Bereitschaft.

Sie tritt häufig verstärkt auf, wenn etwas zu eng geworden ist, nicht um zu bestragen, auch nicht um uns etwas zu nehmen, sondern weil sie zu uns einfach dazu gehört.

Ich kenne Frauen, die in dieser Zeit ihre Arbeit beendet haben, oder mit dem Gedanken spielen. Andere haben ihre Ehen beendet. Einige davon haben begonnen, das erste Mal Nein zu sagen. Und manche von uns haben im Außen nichts Sichtbares verändert und doch war danach nichts, absolut nichts mehr wie zuvor.

Aber lass es mich so erzählen, es geht nicht darum, alles hinter sich zu lassen, aber es geht darum sich nicht mehr länger selbst zu verleugnen oder gar zu verlassen.

Der gesamte Zyklus der Wechseljahre, wirklich von Beginn an, ist pure Alchemie. Es ist nicht das Gold was die Essenz dieser GeZeiten sind, es ist die Wahrhaftigkeit, die daraus gewonnen wird.

Es ist die Zeit, in der wir uns fragen ~ Ist das mein Leben? Oder trage ich es nur aus Gewohnheit?

Ich weiß, dass jede Frau diesen Moment kennt bzw. kennenlernen wird.

Und die Antwort darauf kommt selten sofort, sie wächst, still, über die Jahre hinweg. Bis wir eines Tages aufwachen, den Mut fassen und ihr folgen und genau deshalb kommt sie nicht, um uns zu trösten, sondern uns daran zu erinnern, dass kein Leben wachsen kann, wenn wir alles festhalten.

Und viele unserer Prägungen sind daraus ausgelegt, festzuhalten, in Sicherheit zu bringen, doch das Leben ist so nicht. Unsere Zeit hier auf Erden ist begrenzt und die Schwelle, diese Phase der Wechseljahre ist mehr als ein, ja manchmal nerviger, anatomischer Prozess.

Er wandelt. Lädt ein. Fordert. Schenkt.

Ich bin seit über 12 Jahren in dieser Schwellenphase und ja, die Hitzewallungen, die mentale Veränderung nervt mich zeitweise sehr, aber ich weiß auch, dass diese Phase mich aus Altem befreit und manchmal sogar raus wirft.  

Es ist wie ein alter Mantel, der zu eng geworden, ja vielleicht sogar abgetragen ist und sich nun einfach neben Dich gesellt.

Sie kommt nicht, um Dich zu trösten …

Sie erinnert, dass kein Leben wachsen kann, wenn wir daran festhalten. Ich schreibe darüber, weil ich diese Schwelle selbst durchlebe, mit all meinem Sein. Weil Frauen mir davon erzählen und weil wir Frauen uns seit jeher an den Feuern darüber erzählen.

Ein kleiner Moment für Dich

Frage den Fliederbusch und sammle einige Fliederblüten zusammen oder auch wenn Du darfst einen ganzen Zweig. Entzünde eine Kerze und halte die Blüten einen Moment in Deinen Händen. Atme. Atme ihren Duft in Dich hinein und erinnere Dich daran, dass selbst jede Pflanze, jede Blüte ihre Zeit kennt.

Frage Dich

~ welche Rolle ist mir zu eng geworden?

~ was halte ich noch immer fest, obwohl es längst gehen möchte?

Schreibe es Dir auf, denke nicht lange nach. Nicht das Klügste, sondern das wahrhaftigste, wird Dir den Weg weisen.

Lege den Zettel unter die Kerze oder gib ihn achtsam ins Feuer.

Bleibe noch einen Moment sitzen, mehr ist nicht zu tun.

Alexandra Winterborg