Das Feuer erzählt seine eigenen Geschichten und in seiner eigenen Sprache.
Manchmal lodert es auf und lässt die Funken in der Nacht weit oben tanzen. Manchmal ist es auch nur die Glut, die Still unter der Asche ruht und dennoch wärmt. Und wenn wir glauben, es sei längst erloschen, genügt ein einziger Atemzug und die Flamme wird wieder sichtbar.
Vielleicht verhält es sich auch so mit den Erinnerungen, Geschichten, mit den Wegstücken, den Stecknadeln auf unseren Landkarten des Lebens.
Mit all dem, was tief in unserem Blut, unseren Knochen und unseren Gewebe gespeichert ist.
Die Worte, die Texte, die Du hier finden wirst, sind aus solchen Wegstücken entstanden.
Manche wurden in Zeiten geboren, in denen das Leben alles Vertraute durcheinanderwirbelte, wie ein Sturm über dem Meer.
Andere entstanden in stillen Stunden, in der Zeit, wenn nur noch die Glut übrig geblieben schien und ich begann, den alten Geschichten unter der Oberfläche, in der Tiefe zu lauschen.
Manche Wegstücke führen uns durch die GeZeiten des Frauseins.
Durch die Blutzeiten, die Alchemie der WandlungsZeiten, aber auch durch Abschiede, Neubeginne und jenen Schwellenübertritten, nach denen wir längst nicht mehr die Frau sind, die wir einmal waren und die wir noch werden.
Weitere führen über alte Pfade, zu den Frauen vor uns, zu den Geschichten unserer Mütter, Großmütter, unserer Ahninnen.
Zu jenen Erinnerungen, Geschichten, die manchmal wie ein Flüstern zurückkehrt und manchmal wie eine Welle über uns hereinbricht.
Wieder andere erzählen von der AndersWelt, von dem Raum zwischen den Welten, von Fragen, die sich mit dem Verstand nicht beantworten lassen.
Nicht alles, was Du hier lesen wirst, ist bequem, manches wird Dich zum Kopfschütteln bringen, vielleicht sogar zwicken, dich berühren und erinnern.
Manches wird einfach still neben Dir am Feuer sitzen, wie eine alte Freundin.
Denn weißt Du, diese Wegstücke wurden nicht in diese Welte geboren, um Wahrheiten zu verkünden, einen schnellen Happen zu bieten oder gar Antworten zu liefern.
Sie wurden geboren, um der Weiblichkeit, den Zyklen, den Erinnerungen, der Herkunft, der Wandlung und all dem, was unter all den Geschichten noch lebendig ist, einen Raum zu geben.
Wenn Du also hier angekommen bist, nimm Platz.
Rücke ein wenige näher ans Feuer, schaue in die Glut und lass den Sturm draußen vorbei ziehen.
Lausche den Geschichten und schau, welche Funken in Deinem Antlitz beginnen zu tanzen.
Die Glut, sie ist noch warm und manche Flamme ist noch längst nicht erloschen.
Alexandra Winterborg ~ GeZeitenFrau

